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Montag, 19. Mai 2014

Wenn Eltern Jugendlicher uneinig sind

Eine kurze Anleitung

Uneinigkeit zwischen den Eltern und Konflikte rund um Werte, Rahmen und Regeln, von denen Eltern meinen, dass sie für die Entwicklung und das Wohlergehen Jugendlicher förderlich sein sollen, sind völlig normal und verlangen eigentlich das Gleiche von den Eltern wie Uneinigkeiten, die früher oder später während des Lebens des Kindes auftreten.
Stelle dir selbst folgende Fragen: • Handelt es sich um das Wohlergehen unseres Kindes oder ist es „nur“ ein alter Konflikt zwischen den Erwachsenen, der plötzlich deutlich wird? (Wenn das Letztere der Fall ist, ist es natürlich dieser Konflikt, der – ohne den Jugendlichen als Hauptthema - diskutiert werden soll.) • Wenn es sich tatsächlich um das Wohlergehen des Kindes handelt, kannst du eine Liste der Gründe aufschreiben. Es ist wichtig, dass beide Eltern die Tatsache ihrer Meinungsverschiedenheit realisieren und nicht z.B. meinen, dass das schlecht sei oder dass sie keinen Konflikt haben dürften. Eure heranwachsenden Kinder leben in einer Familie, in der die Eltern in zentralen Punkten uneinig sind - und da nehmen sie nur schaden, wenn der Konflikt sich ernsthaft über euer Paarverhältnis hinaus erstreckt. Legt den Konflikt für die Jugendlichen offen und sagt z.B.: „Wir haben große Meinungsverschiedenheiten darüber und wünschten beide, wir könnten uns einigen. Jetzt brauchen wir die nächsten paar Wochen, um darüber zu sprechen, und du wirst dann vom Ergebnis hören.“ Dieser Verhandlungsprozess verläuft stufenweise: Stufe 1 Am ersten Tag bekommt der eine Elternteil etwa eine halbe Stunde, um seinen Standpunkt darzulegen und zu erklären, warum dieser so wichtig für ihn ist. Der andere darf nicht unterbrechen und nur klärende Fragen stellen. Wenn der Sprechende fertig ist, soll der, der zugehört hat, die Essenz dessen, was er gehört hat, wiederholen. Wird dies bestätigt, sollen sie an diesem Tag nicht mehr darüber sprechen.
Stufe 2 Einen oder zwei Tage später ist der andere dran. Stufe 3 Nach ein paar weiteren Tagen soll der Jugendliche selbst zum Gespräch eingeladen werden. Dieses beginnt damit, dass die Eltern einander loyal ihre jeweiligen Standpunkte vortragen und danach den Jugendlichen einladen, seine Meinung zu sagen. Helft dem Jugendlichen, seinen Standpunkt klar zu machen bis er/sie das Gefühl hat, dass es nichts mehr zu sagen gibt. Die Aussage des/der Jugendlichen soll weder diskutiert noch beurteilt werden. Sie soll gehört und ernst genommen werden. Es handelt sich nie darum, recht zu bekommen, es handelt sich immer darum, die Beziehungen in der Familie zu achten. Stufe 4 Ein oder zwei Tage später können sich die Erwachsenen zusammensetzen und einander erzählen, wie sie jetzt zum Konflikt und den jeweiligen Standpunkten stehen. Wenn die Partner einander gleich starr gegenüber stehen wie zuvor, ist es oft eine gute Idee, die Macht dem weniger restriktiven zu geben - aber nicht immer. Stufe 5 Alle Partner treffen sich und die Eltern teilen dem Jugendlichen mit, was sie erreicht haben. Wenn sich die Eltern auf etwas geeinigt haben, das weit entfernt liegt von den Wünschen des Jugendlichen, müssen sie sich darauf einstellen, einige Zeit unpopulär zu sein. Das ist nicht gefährlich! Wenn die Eltern ständig uneinig sind und nicht mit einer Stimme reden können, muss jeder sein eigenes sagen und hinzufügen: „Wir können uns hierüber nicht einigen und auch nicht darüber, was in dieser Sache Gültigkeit haben soll. Deswegen ist es leider so, dass du selbst die Verantwortung für deine eigene Entscheidung übernehmen musst.“
Kommentar Oft wird diese Art von Konflikten Anlass dafür, dass Jugendliche die Möglichkeit bekommen, die Verantwortung für sich selbst und für ihre eigenen Entscheidungen zu übernehmen. Das ist sehr gut und deshalb dürfen sich die Eltern nicht ins Eck stellen lassen als „unverantwortliche Erwachsene“. Keiner von uns ist der überlegene Elternteil und wir können nur das, was wir gemeinsam können. Den Rest müssen die Jugendlichen selbst herausfinden und das tun diese glücklicherweise auch zumeist. Dazu kommt, dass die Jugendjahre oft zu einer Zeit werden, in der auch die Erwachsenen ihre eigenen Prinzipien und Werte sowie die des anderen genauer anschauen müssen – als Vorbereitung für ihr Zusammenleben ohne zuhause-wohnende Kinder.

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